SS 2025 Katalog typischer Projekte mit 51 Typen
Mirna Vujović.

Stammbaum

Das Büro „Naš stan“ veröffentlichte die erste Ausgabe 1973, die zweite 1975 und die dritte 1977 des Katalogs typisierter Wohnbauprojekte zu einer Zeit, als großer Bedarf an Hausbau bestand. Ziel des Katalogs war es, Lösungen für ein breites Spektrum an Wohnbedürfnissen zu bieten – von einfachen Häusern bis hin zu luxuriösen Objekten, einschließlich Projekten im Stil der Volksarchitektur. Die Projekte waren in folgende Kategorien unterteilt: Ferienhäuser, Einfamilienhäuser ohne Keller, Einfamilienhäuser mit Keller, Häuser mit oder ohne Souterrain, Doppelhäuser, Mehrfamilienhäuser, Gebäude mit Geschäftsräumen, Wirtschaftsbauten

Der Fokus lag auf funktionalen, flexiblen und modernen Lösungen für Ein- bis Zweifamilienhäuser, die sich an Veränderungen im Familienleben anpassen sollten. Mit jedem Projekt erhielt man vollständige technische Unterlagen: Ausführungsplan, Wasser- und Abwasserinstallation, Elektroinstallation

Bestellungen konnten per Post, Telefon oder persönlich aufgegeben werden, wobei die Lieferung in der Regel noch am selben Tag erfolgte – außer bei gewünschten Anpassungen. Der Katalog war in allen Behören für Baugenehmigungen im ehemaligen Jugoslawien erhältlich und erleichterte die Umsetzung der Baupläne. In vielen Siedlungen kam es vor, dass Nachbarn ihre Bauprojekte untereinander austauschten und auf diese Weise Haus um Haus in nahezu identischer Form realisierten. Unterschiede zeigten sich meist nur in einigen architektonischen Details oder in der individuellen Anordnung der Räume. Dieses Vorgehen verdeutlicht nicht nur die weite Verbreitung der Katalogpläne, sondern auch ihre Anpassungsfähigkeit an verschiedene Bedürfnisse und Lebenskonzepte. Die Projekte waren flexibel, nachhaltig und kosteneffizient – mit geringem Wärmeverlust, guter Isolierung und effizienter Bauweise. Sie entsprachen den Bauvorschriften und ermöglichten hochwertiges, effizientes Wohnen. Bis Ende 1976 wurden über 12.000 Pläne verkauft – ein Beleg für die große Akzeptanz und den Einfluss des Katalogs auf den Wohnungsbau.

Elternhäuser

K Kind

Das Haus, das durch die Verbindung zweier Häuser entstanden ist, ist ihr Produkt K.

Diese Masterarbeit befasst sich mit diesem Katalog, indem sie ein „Stammbaum“ - Konzept entwickelt. Unter Anwendung der dominanten und rezessiven Genmethode wird die Synthese ausgewählter Häuser sowie die daraus entstandenen Elemente und Architektur untersucht. Durch die Kombination von Grundrissen, Fassaden und Bauelementen werden neue Entwürfe entwickelt, die die Vielfalt und Struktur des Katalogs widerspiegeln. Sie verbinden sich zu einer Familie, aus der ein Stammbaum entsteht. Für die Entwicklung der Methodologie meiner Arbeit habe ich mich zunächst intensiv mit den Grundrissen der Häuser auseinandergesetzt, wobei ich auf zentrale Merkmale wie die: Art der Wandgestaltung, die Fensteranordnung, die Anzahl der Türen sowie das übergeordnete Konzept des Grundrisses und der Fassadenansicht achtete. Ich analysierte zudem die Gestaltungselemente, ihre Wiederholungen und äußeren Gegebenheiten wie zum Beispiel den Baum vor dem Haus, die Dachform, den Bodenbelag, die Texturen und Materialien. Es war für mich auch besonders interessant, wie einige Formen durch das Zusammenspiel von offenen und geschlossenen Flächen entstanden. 

Diese detaillierte Analyse ermöglichte es mir, neue Entwürfe zu entwickeln. Jedes Detail ist entscheidend, da es die dominanten und rezessiven Merkmale der architektonischen „Genetik“ widerspiegelt. Zu Beginn wählte ich zwei unterschiedliche Häuser aus dem Katalog aus, die als „Elternhäuser“ fungierten, aus denen weitere Entwürfe hervorgingen. Diese Entwürfe wurden wiederum mit anderen Häusern aus dem Katalog kombiniert, wobei sich die Merkmale fortpflanzten und weiterentwickelten. Dieser Prozess erinnert an die Vererbung genetischer Eigenschaften, bei dem bestimmte Merkmale über Generationen hinweg weitergegeben und in neuen „Nachkommen“ transformiert werden, ähnlich wie bei einer „Blutlinie“, in der die Merkmale über die Generationen hinweg weitergegeben werden. Für die Entwicklung dieses Stammbaums wurden 33 Entwürfe aus dem Katalog verwendet. Durch den Prozess entstanden 51 neue Häuser. Als Referenz an den architektonischen Charakter und die Haltung des originalen Katalogs entstanden alle Zeichnungen von eigener Hand.

Legende:

P einstöckige Wohnhäuser ohne Keller

mit mehreren Schlafzimmern, passen sich verschiedenen Geländen an. Sie reichen von kleinen Landhäusern bis zu komfortablen städtischen Varianten. Garagen sind meist als Anbau oder im Keller, und auf geneigtem Terrain entstehen architektonisch interessante Höhenunterschiede.

WK Wochenendhäuser

Die Wochenendhäuser außerhalb der Stadt zeichnen sich durch großzügige Wohnräume, kompakte Schlafzimmer, teils Keller und Dachgeschossnutzung aus und bestehen aus einfachen, gut verfügbaren Materialien.

P+0 einstöckige Wohnhäuser mit Keller

passen sich flachen und steilen Geländen an. Der Keller enthält meist eine Garage, das Erdgeschoss einen variierenden Wohnbereich mit Balkon. Bei steilen Dächern wird das Dachgeschoss als Schlafraum oder Atelier genutzt.

P+1 zweigeschossige Wohnhäuser mit einer Wohnung

mit einer Wohnung über beide Etagen, Garage, Wohn- und Schlafbereichen aufgeteilt auf Erd- und Obergeschoss, oft mit Terrasse und Balkonen, teils atelierartig genutztem Dachgeschoss und dem Gelände angepasster Bauweise

HP - mehrstöckiges wohngebäude mit keller

VS - wohnhäuser mit mehreren wohnungen

ulaz - eingang, dnevna soba - wohnzimmer, trpezarija - esszimmer, kupatilo - badzimmer, hol - flur, niša - nische, kuhinja - küche,

ostava - abstellraum, predsoblje - vorraum, degažman - vorraum, terasa - terrasse, ulaz - eingang, garaža - garage, soba - zimmer

Project by: Mirna Vujović

Supervisor Alex Lehnerer