Halbzeug
151.113 UE Entwurf + Konstruktion III
Franziska Hederer, Ferdinand Schmölzer, Andreas Gratl
Studio Rechbauer [ATDG092], Alte Technik
Einführung am Mittwoch, 07.10.2026, 10:00 Uhr
»Aber dieses Material wird, noch bevor es Schaden anrichten kann in dieser technokratischen Welt, eiligst umgeprägt […]« (Feuerstein, Günther: Notizen zu Gerhardt Moswitzer, 1981)
Dieses Semester arbeiten wir mit Stahl, dem vielleicht störrischsten Material der Bauindustrie. Von Hand kaum herstellbar, offenbart sich uns Stahl hauptsächlich in Form von industriell gefertigten Halbzeugen: Unfertige Dinge, irgendwo zwischen Rohmaterial und Bauprodukt. Profile, Platten und Rohre, kommend aus den Schlünden der Hochöfen und von den Straßen der Walzwerke.
Wir weigern uns, die fetischisierte Vollkommenheit dieser Produkte anzuerkennen. Ein Rundrohr ist noch keine Stütze und ein I-Profil ist noch kein Träger. Wir glauben nicht an diese technokratischen Versprechen, dass man die ganze Welt mit Rohrschellen, Gewindestangen, Muttern und Beilagscheiben zusammenschrauben kann. Gleich wie unserer Körper besteht auch die Architektur, die wir uns wünschen, nicht ausschließlich aus Readymades. Und vollständig demontierbar sind wir auch nicht.
Was uns jedoch beeindruckt, ist die Eleganz des Stahls, die Widersprüchlichkeit zwischen der Leichtigkeit seines Ausdrucks und der unglaublichen Dichte und Energie, die sich bei seiner Formung konzentriert, seine Schlankheit und die Möglichkeit ihn durch Zufuhr von Wärme in Sekundenschnelle wie durch Zauberhand zu verbinden.
Wir begeben uns nahe ans Material und akzeptieren, dass wir diese Halbzeuge nicht auf die Welt loslassen können, ohne dass wir sie zuerst umformen und konstruieren uns ein kleines Schutz-Haus aus Stahl. Unser Programm ist nicht Wohn-, Schlafzimmer, Küche und Bad, sondern ein ausgewähltes Schutzziel der Europäischen Bauprodukteverordnung. Wir entwerfen gegen das drohende Unwetter, gegen die Kälte, gegen den Wind oder gegen das Schnarchen des Bettnachbarn.
Inspiration holen wir uns aus dem Werk altbekannter Kunstschaffender der Weststeiermark und des Südburgenlands, den Industrie-Fotografien von Bernd und Hilla Becher und auf einer Exkursion in die obersteirische Stahlindustrie.
Arbeit in Zweiergruppen mittels Konstruktionszeichnungen und Modellen.
Geschweißt wird auch.