Die Erfindung des Wohnens

WS 2021
151.777 Projekt
Büşra Köroğlu und Klemen Breitfuss
Studio Rechbauer [AT02100], TU Graz
Einführung am Mittwoch 06.10.2021 um 10:00 Uhr

Wohnen gibt es nicht. Wohnen ist keine Tätigkeit.
Es gibt keine Werkzeuge, die man dafür braucht.
Es ist ein Zustand der verlängerten Gegenwart.
Wir haben den Raum, in dem man sich als Bewohner für eine gewisse Zeit aufhält.
Dazu gibt es einige Hilfsmittel, die wir lernten als Komfort in unser Leben zu integrieren.
Niemand muss mehr über den Hof aufs WC gehen; obwohl das unter gewissen Umständen ganz schön wäre.
Es gibt heute Dinge, ohne die wir nicht mehr auskommen.
Anhand dieser Dinge materialisiert sich das Wohnen. Es wird durch sie sichtbar und produzierbar. Industrialisiert reproduzierbar.
Und diese Produkte können immer mehr.

Heute kann jedes Bauteil sowohl dies als auch das. Je mehr ein Teil kann, desto begehrter von Bauherr und Baufirma. Allein was ein normales Fenster heute können muss! Es liefert Aussicht, trennt kalt von warm, schützt gleichzeitig vor Sonne und ungewollten Blicken, lüftet in Dreh, Kipp und Schieb.
Diese Sowohl-Als-Auch-Produkte machen das Wohnen schließlich selbst zum Produkt.
Und wir spüren es immer weniger.

Und daher entwerfen wir einen Wohnbau.
Und als erstes erfinden wir die Dinge, die es dazu braucht. Patentieren sie. Aber keine flexiblen, komfortablen Multifunktionsinstrumente, die uns das Wohnen immer weniger spüren lassen.
Davon gibt es genug.
Sondern Teile, die nur eine Sache können. Wo wir uns entscheiden müssen, was wir wollen, was sie können sollen. Aussicht oder Dämmung.
Licht oder Luft. Entweder-Oder.

Ein Haus mit mehreren Wohnungen, als Manifest gegen das Multifunktionale. Wie sieht ein Grundriss aus, dessen Innentüren nur auf einer Seite einen Griff haben, d.h. sich nur in einer Richtung begehen lassen? Solch patentierbarer Einbahn-Grundriss wäre eine Erfindung des Wohnens, wo uns die Wohnung wieder ein Gegenüber ist, und kein Schwamm, der all unsere Wünsche aufsaugt.
Und so spüren wir es wieder.
Das Phantom des Wohnens.

Die Erfindung des Wohnens
No-stop-City, Archizoom
der Alleskönner Hut
Rauchstraße Haus 8, Hans Hollein
WC mit Telefon
120 Doors, Pezo von Ellrichshausen
Interior view of the House of the Future, Alison and Peter Smithson, London March 1956
Alt Erlaa, Harry Glück
Maison à Bordeaux, Rem Koolhaas
Badezimmer, Jonathan Woolf, London 1992
Arvo Pärt Centre, Kersten Geers David Van Severen, Laulasmaa Estonia 2014