Das dreigeschossige Haus

WS 2021
151.506 Entwerfen 3
Julian Brües und Eva Herunter
Studio Krones, Kronesgasse 5, TU Graz
Einführung am Mittwoch 06.10.2021 um 9:00 Uhr

Wir entwerfen dieses Semester ein dreigeschossiges Haus für mehrere Parteien an einem konkreten Bauplatz.

Drei Geschosse stellen ein Unikat unter den Haustypen dar. Alle Geschosse sind einzigartig und doch Teil eines Ganzen. Sobald ein weiteres Geschoss dazukommt oder eines fehlt, gehen diese Besonderheiten verloren. Beim dreigeschossigen Haus ist sogar das Regelgeschoss einmalig. Dieses spezielle Phänomen erlaubt uns von klassischen Begrifflichkeiten wie dem ‚Erdgeschoss‘ loszukommen und Aussergewöhnliches in dieser vermeintlichen Gewöhnlichkeit zu entdecken.

Es handelt sich nunmehr um das bodenständige Geschoss, das Geschoss ohne Eigenschaften und das extravagante Geschoss ganz oben. Daraus resultieren drei Zustände, die wir mit Hilfe von kleineren Aufgaben entwerfen werden. Um dieses sich durchdringende Sandwich zu erhalten, wie Cedric Price es nennt, entwickeln wir mit diversen Zutaten unsere eigenen Rezepte.

Jede Etage wird durch ihren Ausdruck einen Beitrag zum Charakter unseres Entwurfes leisten. Besonders aufregend sind die Beziehungen zwischen den einzelnen Geschossen. Diese müssen nicht nur isoliert betrachtet gewisse Merkmale aufweisen, sondern haben auch untereinander Verantwortungen. Als Vermittler, Bindeglied oder Trennungsschicht zwischen dem bodenständigen und extravaganten Geschoss kann das eigenschaftslose Geschoss verstanden werden.

Um unser dreigeschossiges Haus an den Ort zu verwurzeln, brauchen wir das bodenständige Geschoss. Robust muss es auf die Umgebung reagieren. Hinzu kommt eine zwanglose Durchlässigkeit für die Bewohner.

Oben thront das extravagante Geschoss. Fast frei, Richtung Himmel orientiert, gibt es kaum zwingende Einflüsse, die die Form prägen. Das Dach, der Dachstuhl und der Kontakt zur der darunter liegenden Deckenplatte geben Anlass zu speziellen Räumen:

„Dieses von Behörden und modernen Architekten als unbewohnbar und unhygienisch verpönte Dachgeschoß, das die Bauspekulation dem widerstrebenden Gesetz mit Mühe entreißen muß, das aus Zufällen aufgebaut ist, enthält das, was wir in den darunterliegenden, planvoll und rationell eingerichteten Wohnungen vergeblich suchen: Leben. Große Räume, große Fenster, viele Ecken, krumme Wände, Stufen und Niveauunterschiede, Säulen und Balken, — kurz all die Vielfältigkeit, die wir im neuen Haus suchen, um der trostlosen Öde des rechteckigen Zimmers zu entgehen.“ Josef Frank, Das Haus als Weg und Platz, 1931

Wie schaffen wir es, unseren Entwurf und unsere Entwurfswerkzeuge so zu schärfen, dass wir Fragmente, Situationen, Szenen und Momente gestalten, die etwas Kennzeichnendes in sich tragen? Wir wollen glückliche Zufälle erkennen und unser Haus mit eigenen Qualitäten anreichern.

Wir möchten keine systematischen Lösungen entwerfen, sondern eigene Konstellationen. Vom Handlauf bis zum Erker und vom Sockel bis zur Traufe werden wir unser Entwurfsvokabular erweitern. Weg vom standardisierten Bauen, definieren wir den architektonischen Ausdruck als Ziel.

Das dreigeschossige Haus
Uyttenhove, Tim Peeters
The Invisible Sandwich, Cedric Price
N37 Tapestry, Alexandra Mocanu
Rodrigo Valenzuela, American Type #7, 2018
House under High-Voltage Lines, Kazuo Shinohara, 1981
Rudolf Olgiati
The Secret of the Pyramids, Peter Fischli & David Weiss, 1985