Civic Buildings
151.507 UE Entwerfen 4
Klemen Breitfuss, Justus Schmirler, Alex Lehnerer
Studio Rechbauer [ATDG092], Alte Technik
Einführung am Donnerstag, 05.03.2026, 10:00 Uhr
Ein Haus konstituiert sich als solches nicht bei Fertigstellung, sondern erst — oder bereits, wenn wir ihm Bedeutung geben. Dieser Prozess der Bedeutungszuschreibung braucht neben dem Objekt auch eine Auseinandersetzung jenseits des Bauens, um aus einem Objekt kulturelle Form werden zu lassen. Mit dem Entwurf „Öffentlicher Gebäude“ (Civic Buildings) versuchen wir in diesem Semester der geheimnisvollen Verbindung zwischen handwerklicher Herstellung und kultureller Zuschreibung und Berwertung näherzukommen. Wir misstrauen hier der Architektur, indem auch eine notdürftig mit Klebeband zusammengehaltene Pappschachtel schon ein Gebäude von öffentlichem Wert sein kann. Ohne seine übliche formale Repräsentation oder funktionale Entsprechung.
Um ein Theater zu entwerfen, schauen wir uns keine Theatergebäude an. Wir sagen einfach: Das Ding hier ist ein Theater, ein Kaufhaus, ein Gericht, oder was auch immer von öffentlichem Wert. Wenn das funktioniert, können wir unsere typologischen Schubladen unbenutzt lassen. Aber Merkmale braucht es. Dinge auf die es ankommt, ein subtiles Spiel mit kulturellen Codes, damit auch andere unsere Zuschreibungen lesen können.
Um zu dieser Art der produktiven Selbstkritik zu kommen, betrachten wir die Arbeit des Künstlers Thomas Schütte als Referenz. Sein kritischer Bezug zur Architektur dient uns als Ausgangspunkt unvoreingenommen über Form und Bedeutung nachzudenken. Seine Arbeiten sind von beneidenswerter Direktheit. Sie sprechen zu uns, machen ihre Bestimmung für alle lesbar. Ganz ohne Schild und Schriftzug. Es sind Bauwerke, die auch Bewohner*innen einer Siedlung zu Bürger*innen einer Stadt machen können.
So wollen wir Architektur machen.
Das Theater, der Firmensitz, das Rathaus, das Kaufhaus. Gebäude mit objekthaften Eigenschaften. Gegenstände mit architektonischen Details.
Der Unterschied zwischen Objekt und Bauwerk scheint klar: Das Objekt steht für sich, selbstgenügsam im Raum. Das Bauwerk dagegen trägt Anspruch und ordnet sein Umfeld. Doch die Grenze ist unscharf. Vielleicht liegt sie nicht im Maßstab oder Programm, sondern in der Form – nicht als Gestalt, sondern als Ordnung. Ein Verhältnis von Teilen, eine Disziplin der Proportion.
Bei der Arbeit stützen wir uns auf unsere Sehgewohnheiten und die Fähigkeiten unserer Hände. Zunächst mit Pinsel, Farbe und Acryl, später ausschließlich in der Holzwerkstatt. Das bedeutet Kosten für Holz und Leim, schont jedoch die Bildschirmzeit. So entstehen keine Modelle im klassischen Sinn. Das Gebaute ist das Bauwerk selbst, nicht die Verkleinerung von etwas anderem. Bauwerke in Lebensgröße.