Der Bau – Das große Innen: Treppen und Podeste
151.759 UE Raumgestaltung
Rainer Eberl, Franziska Hederer, Alex Lehnerer
Holzwerkstatt [NAEG150], Alte Technik
Einführung am Dienstag, 06.10.2026, 10:00 Uhr
»Ich habe den Bau eingerichtet und er scheint wohlgelungen. Von außen ist eigentlich nur ein großes Loch sichtbar, dieses führt aber in Wirklichkeit nirgends hin, schon nach ein paar Schritten stößt man auf natürliches festes Gestein, ich will mich nicht rühmen diese List mit Absicht ausgeführt zu haben, es war vielmehr der Rest eines der vielen vergeblichen Bauversuche, aber schließlich schien es mir vorteilhaft, dieses eine Loch unverschüttet zu lassen.« (Franz Kafka, Der Bau, 1924)
Es gibt an der TU, in ihrem Hauptgebäude kein solches Loch, aber eine Tür, doppelflügelig, im zweiten Obergeschoss, der genaue Ort ist nur Eingeweihten bekannt.
Dahinter ist das große Innen. So dicht, dass die Fenster der gegenüberliegenden Seite nicht zu sehen sind, lediglich ein diffuses Licht strahlt herüber. Vielleicht etwas heller, wenn man direkt vor einem die erste Klappe öffnet.
Die Ausdehnung dieses Dickichts scheint unendlich nach links, rechts und nach oben. Balken, Öffnungen, Nischen, Kassettierungen, Klappen, Flügel, Flächen und Holzverbindungen gehorchen keiner sofort lesbaren Hierarchie oder Ordnung. Das Ganze scheint nicht erst seit gestern hier zu sein, sondern ist Teil eines langen Prozesses, der noch nicht sein Ende gefunden hat.
Im zweiten Teil der Vertiefung Handwerk "Der Bau" werden wir dieses Semester Treppen und Podeste im Maßstab 1:1 bauen. Das Lernziel ist die fachliche Auseinandersetzung mit der Konstruktion und den Anforderungen an diese architektonischen Bauteile sowie deren unterschiedlichen Möglichkeiten, indem wir sie bauen und werden damit ein funktionaler Teil des wie auch immer tatsächlich nutzbaren Raum.
Wir fordern den Pragmatismus und feiern den Aufstieg auf alle Ebenen.
Der Bau in der Rechbauerstraße wird sich das gesamte Semester weiter entwickeln, sich verändern, um einem Merzbau (Kurt Schwitters, ab 1923), dem Haus-Ur (Gregor Schneider, ab 1985) oder Franz Kafkas Bau (1924) eine heimliche Referenz zu sein.
Arbeitsort ist die Holzwerkstatt und der Bau Raum. Handwerkliches Interesse von Vorteil.