WS 2022:
Das Ringen der Dinge

151.901 SE Struktur
Ferdinand Schmölzer
Studio Rechbauer AT02100, Rechbauerstraße 12, TU Graz

»[…] Doch an jedem Haus scheitert der konsequente Geist. Das ist schön anzuschauen.«
(Turnovskỳ, Jan: Die Poetik eines Mauervorsprungs)

Zwei Ziegen stehen einander auf einer Brücke gegenüber. Keine ist gewillt der anderen auszuweichen. Am Ende fallen sie beide in den tosenden Fluss. »Und die Moral von der Geschicht‘…«
(vgl. Fontaine, Jean de la: Die beiden Ziegen)

Nein. Die Moral kommt zum Schluss und wir stehen davor, stehen auf der Brücke und verhandeln immer weiter. Einmal gewinnst du, einmal ich. Hier geht das eine durch, dort das andere. Der Kampf hört nie auf. Wir wollen die Geschichte lesen, nicht die Moral!

In dieser Übung lassen wir gemeinsam zwei Häuser, zwei Systeme, zwei Strukturen kollidieren. Wir shoppen den Hintergrund raus, drucken es auf Overheadfolie, legen übereinander, verschieben und drehen bis wir eine Situation finden, die wir uns nie hätten ausdenken können. Dann heißt es verhandeln. Stört uns die Stütze vor der Tür? Was erzählt sie uns von ihrem Haus? Was sagt die Tür zur Zarge? Was hat der Unterzug damit zu tun und wie - um Himmels willen - verlegen wir jetzt das Parkett?

Für einen Augenblick vergessen wir die Systeme, vergessen den Ausgang der Geschichte, vergessen die Moral und begeben uns nahe an die Dinge!

WS 2022:
Das Ringen der Dinge
Miller house (house III), Peter Eisenman, 1969-1971
Fertigteilknoten
Übung Lehrstuhl B. Hoesli, ETH Zürich, 1979
Phantom, Schneider Türtscher, 2018
Piano Phase, Steve Reich, gespielt von Rob Kovacs, 2004
Partitur, Sylvano Bussotti